Als alter Mann bei der Challenge Salou

„Hurra, endlich 50!“ log ich auf der Einladung zu meiner Geburtstagsfeier. Standesgemäß im Schrebergarten wollte ich mit Familie und Freunden feiern, als wäre ich nochmal 30.

21 Auschecken2

Im PS der Einladung hieß es: „Macht euch keinen Kopp wegen Geschenken, ich freue mich über einen kleinen Beitrag zu meinem Traumurlaub mit Claudia (Marathon in New York oder sowas in der Art Wink)“
Es wurde eine denkwürdige Sause, wir tranken und tanzten bis in die Nacht, so dass ich mir selbst einen Kopp gemacht hatte, einen dicken nämlich, wegen all der Biere. Als ich in diesem Zustand am nächsten Morgen so gut es ging die kleinen Beiträge zusammenzählte, war klar: ein Marathon würde zu popelig sein. Es musste „sowas in der Art“ werden.
Die Reisebeauftragte in der Familie fand nach einigem Hin und Her den geeigneten Wettkampf: Ein Halbmarathon. Mit vorheriger 90-km-Radtour. Und davor 1,9 km Planschen im Mittelmeer. Eine Halbdistanz der Challenge. In Salou an der Costa Daurada, Ende Mai. Für eine Langdistanz bin ich noch lange nicht gerüstet, aber die Hälfte hatte ich schonmal geschafft. Außerdem: Günstige Anreise mit dem Flieger in die Stadt mit dem Verein, der uns einst durch zwei böse Fouls den Europapokalsieg gestohlen hat, und vor allem moderate Temperaturen im Frühling, perfekt für einen Wettkampf und eine Woche Urlaub.
Fünf Jahre liegt meine erste Halbdistanz zurück. Damals hatte ich mir in der Vorbereitung eine „Schwimmschulter“ zugezogen und laborierte daran einige Zeit beim Physiotraining von Fortunas Bernd Restle. Das sollte mir diesmal nicht passieren. Ich würde mit einem Stabitraining allen Verletzungen vorbeugen. So der Plan. Mein Laufform war erfreulicherweise bereits im Dezember ziemlich gut und im Wasser hatte ich die Freien Schwimmer Düsseldorf an meiner Seite. Zweimal trainerangeleitetes Training pro Woche würden mich für das Mittelmeer fit machen.
Auch für das verhasste Stabitraining hatte ich eine Lösung gefunden: „Sport für jedermann“ in der Leichtathletik-Halle des Rheinstadions. Nicht zu teuer, keine Geräte, flexible Trainingszeiten. Ein Tipp von Vereinskamerad Thomas J., der sich anschließen wollte.
Zum ersten Termin an einem Montag im Januar bin ich gelaufen (alleine, Tom war krank geworden). 8,5 km bis zum Stadion, ein bisschen Gymnastik und wieder 8,5 km zurück. So wollte ich das jede Woche machen. Denn dann hätte ich die Laufeinheit gleich integriert und wenigstens etwas, auf das ich mich freuen konnte vor und nach dem Stabitraining.
Die Stunde Gymnastik mit 30 anderen älteren Herrschaften war anstrengender als gedacht. Vor allem die Kniebeugen, diversen Hockgänge und Hopserläufe zum Aufwärmen hatten es in sich.
Beim Lauftraining am Mittwoch danach verkündete ich stolz, dass ich endlich ein Stabitraining gefunden hatte, das mich vor Verletzungen bewahren würde. Am Samstag drauf bin ich dann zum Schwimmtraining ins Rheinbad gelaufen. Auf dem Rückweg meldete sich mein linkes Knie mit einem fiesen stechenden Schmerz. Das legt sich nach einer Woche Pause wieder, dachte ich. Falsch gedacht. Auch zwei, drei Wochen später hieß es „Aua im Knie“. Vereins-Doc Jochen Vöge konstatierte eine Patellasehnenspitzenreizung. Grund: Übertraining. Die Aufwärmübungen beim „Sport für jedermann“ PLUS die ganze Rennerei waren zu viel. 6 x Physio bei Fortunas Bernd Restle und die Winterlaufserie in Duisburg zur Vorbereitung konnte ich knicken.
Zum Glück gibt es beim Triathlon drei Sportarten und so steigerte ich das Schwimmtraining – eh meine schwächste Disziplin. Wenn im April mein Knie wieder heile sein würde, wäre ich auf jeden Fall in Form und hätte dann noch genug Zeit für die Laufvorbereitung.
Der April kam, ich war mittlerweile 51 Jahre alt, aber laufen konnte ich noch immer nicht. War es Frust oder Trotz, jedenfalls hatte ich im Netz ein „supergünstiges“ Triathlon-Fahrrad gefunden. BMC TimeMachine 02. Mit sowas, nur in 01er-Nobelausführung, fährt auch der Cheffe von Sieg zu Sieg Wink Das musste ich haben. Schon sah ich mich auf dem Hobel die Costa-Daurada entlangfliegen!
Bikefitter Holger Röthig in Essen hat das Schätzchen an meinen Körper angepasst. Dabei kam raus, dass ich einen neuen Sattel brauchte, wenn ich auf Dauer nicht impotent werden wollte.
Einen ISM Adamo bestellt, gegen den Sado-Sitz von fitzik ausgetauscht und raus auf die Straße. Nur soviel: Ein Biest auf zwei Rädern dieses Teil. An der Ampel habe ich für einen Augenblick überlegt, ob ich dem Motorradfahrer neben mir ein Rennen anbieten soll Wink
Bei der Ausfahrt mit den Fortuna-Triathleten nach Venlo wusste ich dann, was auf dem Hobel möglich sein würde. Beim Laufen waren zwei, drei Tests über 30–40 Minuten alles, was ich dem Knie zumuten konnte. Bloß nicht kurz vor dem Wettkampf zu viel riskieren! Anstatt zu laufen habe ich mich in der Muckibude von Restle geschunden und versucht dem Knie und anderen Schwachstellen meines Körpers Muskeln angedeihen zu lassen.

Am Tag der Abreise packte ich gewissenhaft wie noch nie vor einem Wettkampf die nötigen Sachen ein und verstaute das Fahrrad für den Flug in der Evoc-Radtasche, die ich mir bei Vereinskollege Christian B. geliehen hatte. Einen Schlachtplan für den Wettkampf hatte ich auch: Die ersten beiden Splits Spaß haben und beim Laufen sehen, was geht, um einfach anzukommen.
Auf dem Airport in der Stadt des unverdienten Europapokalsiegers wartete ich mit drei Spaniern, die wohl gerade den Ironman Lanzarote hinter sich gebracht hatten, am Sperrgepäckband auf mein Rad und rechnete. Ergebnis: 6+ h muss dann doch nicht sein, dachte ich, Knie hin, Knie her.
Egal, erstmal waren fünf entspannte Tage Urlaub in L’Ametlla del Mar angesagt. Ein erstaunlich „untouristisches“ Örtchen mit einem lebhaften Fischerhafen und einigen netten Restaurants und zu dieser Jahreszeit hauptsächlich von Einheimischen bevölkert. Eine echte spanische Kleinstadt direkt am Meer. Und wir hatten von der Terrasse den Hafen im Blick.1 Blick von der Terrasse

 

Perfekt. Anfänglich war es hin und wieder etwas bedeckt. So baute ich mein Rad zusammen 2 Rad zusammensetzen und wir besuchten die Städte Tortosa und Tarragona. Tarragona ist klasse!3 Taragona  Über 2000 Jahre Geschichte, Römer, Mittelalter, Jugendstil sind hier allgegenwärtig. Als wir die Rambla hochgegangen waren, um „Eisen anzufassen“, wie man in der Stadt den Spaziergang zum Geländer über der Küste nennt, um dann aufs Meer hinauszuschauen, entdeckte ich eine orangenen Punkt und zwei schwarze Arme im ruhigen Meer. Schnurgerade und ziemlich flott unterwegs der Kollege. Und er erinne4 Taragona2rte mich daran, dass ich meinen Neo testen wollte.
Am nächsten Tag schwamm ich also im kleinen Schwarzen am heimischen Strand 500 Meter in die eine Richtung und dann wieder zurück, bei kaum wahrnehmbarer Dünung. Der Neo fühlte sich ungewohnt an, die Einheit dauerte aber nur 20 Minuten. Ich legte noch ein paar Hundert Meter in Badehose nach. Was sich viel eher nach Schwimmen anfühlte, aber deutlich langsamer war.
Am Tag darauf gönnte ich meinem BMC eine Ausfahrt. Am frühen Morgen fuhr ich die Landstraße Richtung Norden. Es war relativ windstill und ich rechnete schon wieder, welchen Schnitt ich beim Wettkampf unter den Bedingungen wohl auf den Asphalt bringen würde. Vor allem, weil ich die 1000 Meter im Meer ziemlich entspannt geschwommen war.
Am Samstag hieß es dann endlich Einchecken. Jetzt bloß nichts vergessen – L’Ametlla liegt gut eine halbe Stunde Autobahn von Salou entfernt.
Pünktlich um 11:00 trat ich vor den Eincheck-Schalter, zückte meinen Personalausweis und gab meine Startnummer 808 an (ich hatte mir eigentlich die 1895 gewünscht).
Der junge Mann schaute mich wartend an.
Als ich nicht reagierte, meinte er: „Your license?“
License? Ich brauchte eine Weile, bis ich begriff, dass er meinen Startpass meinte. Vergessen. Arrgh! Nicht in L’Ametlla, sonder in Düsseldorf, in der Sportkommode. Arrrrrgh!
„You have a photo?“, fragte der Helfer und ich zückte das Handy, um zu Hause anzurufen.
Wofür Familie und Nachbarn doch gut sind! Eva fand den Pass und die Nachbarin fotografierte und simste mir die Fotos. In der „guten alten Zeit“, in der wir auch ohne Handys ausgekommen sind, wäre ich aufgeschmissen gewesen.
Der Helfer akzeptierte die Fotos und ich nahm glücklich die Wettkampfunterlagen entgegen. Jetzt nur noch die Porta-Aventure-Welt finden, wo in einem Hotel die Wettkampfbesprechung auf Englisch stattfinden sollte. Nach guter matzerathscher Tradition haben wir uns erstmal ein bisschen verfahren, um dann fünf Minuten zu spät im Kongressraum des Hotels aufzuschlagen. 5 WettkampfbesprechungDie Infos zum Schwimmstart waren da längst durch. Ganz schön deutsch die Spanier. Immerhin erfuhr ich, dass die Penalty Box eine Art Gefängnis ist, in der man sich nicht bewegen darf, dass einem nichts aber auch gar nichts am Streckenrand angereicht werden darf und dass die Absperrbänder nicht zu übertreten sind.
Zurück am Parkplatz Aufkleberprozedur: die 808 auf Rad, Helm und Wechselbeutel. Neben uns parkten Schweizer, die ihre Fahrräder aufpumpten. Ich schnorrte mir die Pumpe und erfuhr so, dass für morgen Windböen mit bis zu 7 Beaufort angesagt waren. Wind? Wieso? War doch die ganzen Tage nicht windig! Das war aber eher die Ausnahme in der Gegend, meinte der Schweizer. Jedenfalls werde er wohl auf die hohen Felgen verzichten.
Claudia und ich machten uns auf den Rückweg in die Stadt. Auf der Triathlon-Messe wollte ich noch ein Startnummernband kaufen. Meins hatte ich nämlich vergessen, nicht in L’Ametlla, nein, in der Kommode, neben dem Startpass … Ich wurde fündig und entdeckte zudem eine rot-weiße Laufkappe, die perfekt zu meinem Fortuna-Tria-Top passte. Glück im Unglück.
Danach hatten wir gut vier Stunden bis zum Check-In. Also ab an den Strand, aufs Meer hinausschauen und die Schwimmstrecke ausmachen. Das Meer lag ruhig da. Noch flugs in die Eisdiele und dann endlich einchecken. 6 Da war der Tachometer noch am Rad
In der Schlange vor der Wechselzone stellte ich den Tachometer auf Reset und nahm ihn vom Rad, um ihn später frisch auf 0 gesetzt wieder anzubringen.
Vorschriftsmäßig hatte ich meine Startnummer angezogen und den Helm aufgesetzt. Es gab ein Okay vom Helfer und dann den Chip von einem anderen. Mit Chipnummernband! Zum Glück, denn mein Chipband hatte ich … (es lag neben dem Startnummernband neben dem Startpass in der Kommode). 7 Zuversicht beim Einchecken
Ich fand den vorgegebenen Platz für mein BMC und hängte das Rad in die Stange. Jetzt nur noch den Tachometer wieder einsetzen, die Wechselbeutel aufhängen und schon würde ich wieder draußen sein.
Ich setzte den Tachometer in die Halterung und las: „Sprache“.
Sprache?
Offenbar hatte ich beim Festhalten unabsichtlich den Einstellungsmodus aktiviert. Keine Ahnung wie. Und deshalb auch keine Ahnung, wie man den wieder deaktiviert.
Ich drückte einen der drei Knöpfe, Radumfang, Zeit, km/miles, folgten. Argh! Ich drückte einen anderen Knopf und jetzt hatte ich den Tachometer auf miles umgestellt. Arrrgh!! Und egal welchen Knopf ich danach drückte, ich bekam das Teil nicht mehr auf km zurückgestellt. Arrrrggghhhh!!!! Immerhin fand ich bei meiner hektischen Rum8 Die Tachometerkatastrophe fällt aufdrückerei heraus, wie der Einstellungsmodus zu beenden war. Egal, Meilen pro Stunde in km/h umrechnen während des Rennens würde so schwer nicht sein.  9 Verzweifelter Versuch was einzustellenAußerdem würde ich ja meine noch Garmin-910xt am Arm haben, die die Jungs vom Kegelclub mir zum 50. geschenkt hatten.
Ich band meine beiden Wechselbeutel an die Garderobenständer und verließ leicht angenervt von meiner Dusseligkeit die Wechselzone, wo Claudia schon auf mich wartete.
„Los weg hier!“, meinte ich und merkte in dem Moment, dass ich meine Startnummer samt Band noch am Körper trug. Vor lauter Ärger um den Tachometer vergessen …
Ich musste also nochmal ganz um die Wechselzone rum, um die Nummer in den Radbeutel packen zu können.
Das war dann hoffentlich der letzte Patzer.
Gegen Halbneun waren wir zurück in unserem Fischerdörfchen. Und um kurz nach Zehn lag ich im Bett und schlief!
Mitten in der Nacht wurde ich von einem Pfeifen und Rütteln geweckt.
Windböen.
Ich verfluchte den Schweizer und kaum war ich wieder eingeschlafen, klingelte auch schon der Wecker. 5:00 Uhr.
Duschen, frühstücken, Laufhose an und vor allem Startnummer auf den Oberarm kleben. Das hatte ich noch nie gemacht. Sollte aber ganz einfach gehen. Einfach feucht machen und druf. Gesagt getan, aber vorher die Schutzfolie nicht abgezogen! Argh! 10 Startnummer auf Folie
Auf dem Weg nach Salou hatten wir die Autobahn für uns allein und so kamen wir eine Stunde vor dem Start meiner Startgruppe an. Heute sollte nichts mehr schiefgehen.
Wir fanden einen Parkplatz und ich zog mich um. Das Tri-Top war immer schon eine Nummer zu klein gewesen, also zwängte ich mich in das Teil, nur um festzustellen, dass ich vergessen hatte, den Pulsmessergurt anzulegen. Um mich nicht wieder aus dem Trikot rauszuwurschteln, öffnete ich den Reißverschluss, streifte das Trikot über die Schultern und legte den Gurt an. Trikot wieder hoch, Reißverschluss zu. Denkste. Der Verschluss war rausgesprungen. Und ließ sich nicht wieder reinfummeln. Mit einem untenrum zu engen und obenrum halboffenen Trikot auf dem Rad? Oh, Mann. Zum Glück hatte ich noch ein Kurzarmshirt dabei. 11
An der Promenade angekommen fielen mir die Palmen auf, die sich beängstigend im Wind bogen. Und ein paar Schritte weiter am Strand sah ich das Meer. Irgendwer hatte das Mittelmeer gegen den Atlantik ausgetauscht … Nun waren auch die Challenge-Bojen platziert. Riesige Dinger irgendwo weit draußen auf dem Meer. An jeder ein großer roter Heliumballon, damit man die Bojen bei dem Wellengang besser sehen konnte. Ich ließ mich von Claudia in den Fetischanzug packen und schritt tapfer zum Einschwimmen in die Wellen. Nach dem 3. Armzug hatte ich den ersten Schluck Meerwasser im Hals. Das würde lustig werden.
21 Auschecken2

Dann der Startschuss für die Profis. Sie rannten in die Brandung und pflügten unbeirrt durch die Wellen Richtung erste Boje.
Die nächste Gruppe startete, dann die Frauengruppe, danach war dann nur noch die gelben und blauen Kappen vor unseren orangenen dran. Meine Hinrichtung rückte näher.
Das Gejohle der jeweiligen Starter beim Countdown hatte etwas Trotziges.
Als meine Gruppe zwischen die Absperrgitter nachrückte, hatte ich Bilder von Schweinen beim Schlachter im Klopf. Als ich endlich auf der Startmatte stand, vernahm ich eine höhnische Stimme in meinem Kopf, die ich das letzte Mal vor Jahrzehnten im Schwimmbad an der Grünstraße gehört hatte: „Noch 10 Sekunden bis das Wellenspiel beginnt!“
Der Startschuss ertönte, ich drückte auf meine Uhr ohne hinzusehen und lief mit den anderen los … 12 Einstieg in die Fluten (3. von rechts oben)
Nach vier Kraulzügen der zweite Schluck Salzwasser an diesem Morgen. Bis zur ersten Boje waren es wohl 400 Meter, ich entschied also auf Brustschwimmen bis zur Wende.
Richtige Entscheidung. Nach der Boje ging es auf die lange Gerade zur zweiten, die irgendwo weit weit hinten wartete. Da wir nun quer zu den Wellen schwammen, konnte ich problemlos rechtsatmend kraulen und orientierte mich an meinen Vorderleuten. Und tatsächlich konnte ich zwischendurch sogar den roten Ballon erspähen. In den Wellen ging es rauf und runter. Auf jedem Boot wäre mir kotzschlecht geworden, aber Schwimmen ging. Auch nach der zweiten Boje kraulte ich. Ich überholte Schwimmer der blauen Gruppe! Waow! Jetzt war ich im Rennen! Schon war die dritte Boje passiert. Nun ging es der Sonne entgegen. So war von der vierten Boje oder dem Ballon nichts zu sehen. Egal. Einfach den anderen folgen. Nach ein paar Minuten hörte ich Schreie. Ein Helfer im Kajak fuchtelte wild mit den Armen und zeigte Richtung Sonne. Die anderen hatten die Boje wohl genauso wenig wie ich entdecken können, und so hatte sich jeder auf den anderen verlassen und wir waren gemeinsam Richtung Strand geschwommen.
Trotz Umweg und Wellengang brauchte ich „nur“ 45:51 min. für die Schwimmstrecke und war heilfroh, als ich aus dem Wasser stieg. Auch Claudia, die am Strand wartete, sah irgendwie erleichtert aus. 13 Dem Ertrinken entkommen (3. von links) 14 Neo öffnen im Laufen Ich drückte wieder auf meine Uhr, um auf Wechselzeit zu switchen, aber die Stoppuhr war überhaupt nicht aktiviert worden. Argh! Irgendwas hatte ich beim Start falsch gemacht. Während des Laufs zur Wechselzone, den Neo auf den Hüften, stellte ich die Uhr also um auf Radfahren. Ich wollte ja hin und wieder wissen, mit wie viel km/h ich auf dem Rad unterwegs sein würde. 15 Meilen
Und ich war gefühlt ziemlich schnell unterwegs. Anfänglich ging es mit Rücken- und Seitenwind einige Kilometer durch die Stadt, um nach etwa 20 km auf die Landstraße zu wechseln. Jetzt kam der Wind von schräg vorne.

21 Auschecken2

Ich war gefühlt ziemlich langsam. Der Tacho zeigte 17 mph. Ich versuchte zu rechnen. Keine Chance. Die Uhr am Arm zeigte 27 km/h. Immerhin. Und ich sammelte den ein oder anderen ein und wurde selbst kaum überholt. Alles gut. Und bald würde es auf der Straße zurückgehen! Bei meinem Pe16 Weg isserch hätte der Wind eigentlich genau in dem Moment drehen müssen, als ich wendete. Tat er nicht. Auf dem Rad-Split lief alles wie am Schnürchen. Jetzt flog ich auf dem BMC die Costa Daurada entlang. In Spitzen zeigte der Tacho 30 mph. Ich überholte immer mehr Teilnehmer. Am Ende stand eine Radzeit von 2:49:08 „auf der Uhr“.
Jetzt nur noch den Halbmarathon überstehen.
Der Wechsel verlief problemlos und schnell. Eigenartigerweise konnte ich Claudia nicht entdecken. Sie war, wie sie nachher erzählte, direkt am Zaun, war aber genau in dem Moment, als ich ankam, abgelenkt, und so entdeckte sie dann mein Rad, ohne mich. Denn ich war längst auf der Laufstrecke. Wie immer nach dem 2. Wechsel viel zu schnell. Wenn man fast drei Stunden mit über 30 km/h unterwegs ist, kommt einem Laufen vor wie Gehen. Ich schraubte das Tempo runter auf 5:30min/km. Nach der ersten Hälfte der vier Runden entdeckte ich Claudia am Streckenrand21 Auschecken2 und lief gleich wieder schneller. Auf der zweiten Hälfte der Runde fühlte ich Blasen unter beiden Füßen. Ich hatte die Schuhe ohne Socken bei einem 10-km-Lauf probegelaufen. Ohne Probleme. Aber da hatte ich die Einlagen nicht in den Schuhen gehabt, wie mir jetzt einfiel … So würde ich die 21 km im Leben nicht durchstehen. Als ich Claudia wieder passierte, blieb ich bei ihr stehen. Zum Glück hatte sie den Beutel mit den Klamotten für nach dem Wettkampf bei sich. Da waren Sportsocken drin und meine anderen Laufschuhe mit den eingelaufenen Einlagen. Also wechselte ich verbotenerweise die Schuhe und lief weiter. Auf der zweiten Runde merkte ich das fehlende Lauftraining und wurde langsamer. Die Strecke ging teilweise direkt am Strand entlang, wo alle 200 Meter Duschen installiert waren. Hinter der Absperrung. Egal. Verbotenerweise rüber und runter unter die Dusche. Völlig durchnässt aber abgekühlt lief ich weiter. Aber es half alles nichts. Nach einer ausgiebigen Getränkepause am Verpflegungsstand musste ich einfach gehen. Und so wurde ich gefühlt von allen, die ich auf der Radstrecke überholt hatte, eingesammelt. Egal. Bloß nicht aufgeben und irgendwie ankommen hieß jetzt die Devise. Schließlich hatte ich keine Schmerzen in der Patellasehne. Alles prima, nur die Kondition war am Boden. Also lief ich abwechselnd zwei Kilometer, ging wieder 100 Meter, machte lange Trinkpausen und duschte in Seelenruhe. Auf der letzten Runde rettete mich ein spanischer Teilnehmer, der langsam unterwegs gewesen war und den ich nach meinen Pausen immer wieder überholt hatte. Als er an mir vorbeikam, sprach er ein paar aufmun17 Zieleinlaufternde Worte, und das war dann der letzte18 Zieleinlauf2 Schub. Ich lief durch bis ins Ziel.
Dort bekam ich die alberne Medaille, die es bei solchen Veranstaltungen gibt, um den Hals gehängt, war aber viel zu alle, um irgendwie glücklich zu sein. Torkelnd suchte ich im Finisher-Bereich nach Wasser, Iso oder einem alkoholfreien Bier und wurde erst im Pasta-Party-Zelt fündig.
Kurz darauf wurde auch Claudia fündig: Der Typ, der am fertigsten aussah, war ihrer. Ich muss überflüssigerweise irgendwas von „Boah, war das anstrengend“ geächzt haben. Sie war froh, dass ich mich überhaupt noch artikulieren konnte. 19 Fettich mit der Welt
Nach einer Viertelstunde auf dem Asphalt holte ich mein Finisher-Shirt ab und kam dann auf die Idee, mich neben dem Pastazelt von den Physios massieren zu lassen. Aber man musste Schlange stehen. Was ich in keinem Fall mehr hinbekommen hätte. So holte ich mir stattdessen im Zelt einen Teller Pasta mit Muscheln, ein Sandwich und ein kaltes Bier und bin wieder zurück zu Claudia.
Wie köstlich lauwarme Nudeln vom Pappteller sein können!
Das Auschecken lief dann problemlos. Ich vergaß nichts! Oh, Wunder. 22 Auschecken320 Auschecken1  Auf dem Weg zurück nach L’Ametlla überschüttete ich Claudia mit meinen Wettkampfimpressionen und sie mich mit Stolzbekundungen und Mitleid.
Schon am Abend bei einem wohlverdienten Bier fühlten sich die Strapazen nur noch halb so schlimm an und am nächsten Tag war mein Blick bereits so verklärt, dass ich schon wieder rechnete, wie schnell ich hätte sein können, wenn nicht das Knie das Lauftraining …

Fazit: Halbdistanz jederzeit gerne wieder, aber lieber in der Nähe. Dann muss man nicht fliegen und bekommt so sein Fahrrad sicher nach Hause. Auf das hatte ich bei unserer Ankunft in Düsseldorf nämlich eine Stunde vergeblich gewartet. Der Airport lieferte es drei Tage später.
Die Costa Daurada und vor allem L’Ametlla sind eine Reise wert.

 

Großes Dankeschön an alle, die einen schönen Urlaub und ein großes Abenteuer möglich gemacht haben!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

http://challenge-salou.com/en/

1 comment

  1. Nicole 06.07.2016 at 16:04 Reply

    Respekt, Matze!! und vielen Dank für den herrlichen Bericht, Nicole

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